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RLS in der Schwangerschaft

Restless Legs Syndrom in der Schwangerschaft

Schwangere Frauen leiden im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung viel häufiger an einem RLS. Das bedeutet, dass jede dritte bis vierte Frau in der Schwangerschaft an den Symptomen eines RLS leidet. Die Beschwerden können in der Schwangerschaft erstmalig auftreten oder es kann zu einer Verschlechterung eines bereits zuvor bestandenen RLS kommen. Die betroffenen Frauen leiden aufgrund der RLS-Beschwerden meist unter erheblichen Ein- und Durchschlafstörungen, was zu einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität und einer Erhöhung körperlicher Stressreaktionen führt [1;2].

Meistens treten die Beschwerden im letzten Drittel der Schwangerschaft auf. Nach der Geburt kommt es in der Regel zu einer deutlichen Besserung oder zum vollständigen Verschwinden der Symptome. Bei etwa einem Drittel der Frauen kann es in nachfolgenden Schwangerschaften zu erneuten RLS-Symptomen kommen [3], teilweise auch in stärkerer Ausprägung. Die RLS-Beschwerden können jedoch auch unabhängig von einer Schwangerschaft nach vielen Jahren wieder auftreten und dann dauerhaft bestehen bleiben.

Die Ursache für die Entstehung eines RLS in der Schwangerschaft konnte bisher nicht gefunden werden. „Schwangerschaftsabhängige Faktoren“ scheinen das Auftreten eines RLS zu fördern. Bisher ist es nicht gelungen diese Faktoren zu identifizieren. Einige Autoren vermuten einen Zusammenhang mit einem Eisenmangel, da dieser mit einem gehäuften Auftreten eines RLS verbunden ist [4;5]. Andere Autoren vermuten, dass weibliche Hormone, wie z.B. Prolaktin, Progesteron und Östrogen einen Einfluss auf die RLS-Beschwerden in der Schwangerschaft haben.

Diese Hormone steigen in der Schwangerschaft deutlich an. Nach der Geburt kommt es zum einem Abfall von Progesteron und Östrogen, während Prolaktin weiterhin ausgeschüttet wird [6-8]. Eine weitere Möglichkeit ist, dass RLS-betroffene Frauen bereits eine genetische Prädisposition (Empfänglichkeit) für die Entwicklung eines RLS haben, die Erkrankung aber erst durch die Einwirkung spezifischer Einflussfaktoren während der Schwangerschaft zum Ausbruch kommt.

In zwei genomweiten Assoziationsstudien konnten Genvarianten in vier Regionen des Erbgutes bei RLS-Patienten mit einem primären RLS identifiziert werden, die mit einem erhöhten Risiko für das Auftreten der Erkrankung verbunden sind. Es ist denkbar, dass auch sekundäre RLS-Formen eine genetische Grundlage haben, die betroffene Patienten unter bestimmten Bedingungen empfänglich für ein RLS macht.

In dem Forschungsprojekt „Restless Legs Syndrom in der Schwangerschaft“ sollen genetische Varianten bei schwangeren Frauen untersucht werden, um eine mögliche genetische Empfänglichkeit für die Ausprägung eines sekundären RLS zu bestätigen. Dabei bietet das RLS eine ideale Vorraussetzung, die Wechselwirkung zwischen genetischen und nicht-genetischen Faktoren zu untersuchen. Hierfür werden schwangere Frauen in verschiedenen Kliniken auf das Vorliegen eines RLS während und nach der Schwangerschaft untersucht.


Literaturverzeichnis

[1] Djokanovic N, Garcia-Bournissen F, Koren G. Medications for restless legs syndrome in pregnancy. J Obstet Gynaecol Can 2008; 30(6):505-507.
[2] Manconi M, Ferini-Strambi L, Hening WA. Response to Clinical Corners case (Sleep Medicine 6/2: 83-4): Pregnancy associated with daytime sleepiness and nighttime restlessness. Sleep Med 2005; 6(5):477-478.
[3] Goodman JD, Brodie C, Ayida GA. Restless leg syndrome in pregnancy. BMJ 1988; 297(6656):1101-1102.
[4] O’Keeffe ST, Gavin K, Lavan JN. Iron status and restless legs syndrome in the elderly. Age Ageing 1994; 23(3):200-203.
[5] Sun ER, Chen CA, Ho G, Earley CJ, Allen RP. Iron and the restless legs syndrome. Sleep 1998; 21(4):371-377.
[6] Manconi M, Govoni V, De Vito A, Economou NT, Cesnik E, Mollica G, Granieri E. Pregnancy as a risk factor for restless legs syndrome. Sleep Med 2004; 5(3):305-308.
[7] Manconi M, Govoni V, De Vito A, Economou NT, Cesnik E, Casetta I, Mollica G, Ferini-Strambi L, Granieri E. Restless legs syndrome and pregnancy. Neurology 2004; 63(6):1065-1069.
[8] Tunc T, Karadag YS, Dogulu F, Inan LE. Predisposing factors of restless legs syndrome in pregnancy. Mov Disord 2007; 22(5):627-631.