Neuerscheinungen – Forschung
Laufende Forschungsprojekte, die durch die Vereinigung unterstützt werden
1. Universitätsklinikum Freiburg, Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie
„Erhebung der Prävalenz des Restless Legs Syndrom bei stationär behandelten Patienten mit einer Depression“
Leitung: Frau Prof. Dr. med. Magdolna Hornyak, Oberärztin, Schlafmedizinisches Zentrum
2. Universitätsklinikum Münster – Institut f. Epidemiologie und Sozialmedizin
Das seit Januar 2007 laufende Forschungsprojektes „Natürlicher Verlauf des Restless Legs Syndroms“ besteht aus einer Studie mit dem Ziel, in der Analyse des „natürlichen“ Verlaufes des RLS bei Betroffenen über einen Zeitraum von drei Jahren folgende Einzelziele zu erreichen:
Erfassung von Häufigkeit und Kosten der Inanspruchnahme medizinischer Dienstleistungen aufgrund des RLS Dokumentation von Behandlungsstrategien unter Berücksichtigung sogenannter alternativer Behandlungsmethoden Analyse zeitlicher Variationen von Symptomstärke, -charakter und –ausprägung im Verlauf der Studie Erhebung von Veränderungen in der Lebensqualität, bei Alltagsaktivitäten und weiterer psychosozialer Auswirkungen von RLS-Betroffenen im Studienzeitraum
Leitung: Prof. Dr. med. Klaus Berger
3. Restless Legs Syndrom in der Schwangerschaft
Studie unter Leitung von Priv.- Doz. Dr. med. Juliane Winkelmann, Oberärztin,
Fachärztin für Neurologie, Leiterin der Arbeitsgruppe Neurogenetik an der TU München
Restless Legs Syndrom in der Schwangerschaft
Besonders im letzten Drittel der Schwangerschaft entwickeln ¼ der Frauen Symptome eines RLS oder es kommt zu einer Verschlechterung bereits bestehender RLS-Beschwerden. Dies deutet darauf hin, dass schwangerschaftsabhängige Faktoren die Ausbildung der Symptome fördern. Dabei ist nicht denkbar, dass bei den betroffenen Frauen bereits eine genetische Prädisposition für die Entwicklung eines RLS besteht, die Erkrankung aber erst durch die Einwirkung spezifischer Einflussfaktoren während der Schwangerschaft zum Ausbruch kommt. Bisher ist es nicht gelungen diese krankheitsauslösenden Faktoren zu identifizieren. Einige Autoren vermuten einen pathogenetischen Zusammenhang mit einem Eisen- oder Folsäuremangel bei betroffenen schwangeren Frauen, da diese Bedingungen bekanntlich mit dem Auftreten eines RLS assoziiert sind (O’Keeffe et al. 1994; Sun et al. 1998). Ein signifikanter Unterschied im Eisen- und Folsäurestoffwechsel bei schwangeren Frauen mit und ohne RLS konnte allerdings in bisherigen Studien nicht nachgewiesen werden. Die Tatsachen der Symptombesserung während des letzten Schwangerschaftsmonats und/oder um den Zeitpunkt der Geburt steht zur Eisen- und Folsäuretheorie in Widerspruch, da es genau zu diesem Zeitpunkt zum größten Blutverlust und damit höchstem Eisen- und Folsäurebedarf kommt, und erst etwa drei Monate post partum ausgeglichene Parameter erwartet werden können. Andere Autoren vermuten einen Einfluss der Hormone Prolaktin, Progesteron und Estrogen während der Schwangerschaft, welche ihre Maximalwerte im letzten Trimenon erreichen (Manconi et al. 2004b; Manconi et al. 2004a; Tunc et al. 2007).Während es kurz nach der Geburt zu einem massiven Abfall von Progesteron und Estrogen kommt, unterliegt die Prolaktinsekretion einem pulsatilen Rhythmus. Progesteron wird im Gehirn, Rückenmark und in peripheren Nerven synthetisiert und soll möglicherweise eine Steigerung der neuronalen Erregbarkeit bewirken sowie eine Rolle bei der Entwicklungsfähigkeit von Neuronen und der Bildung der Myelinscheide spielen. Auch die Möglichkeit des Einflusses schwangerschaftsabhängiger Veränderungen auf endokrinologischer Ebene wurde in einer aktuellen Studie untersucht, es konnten aber keine signifikanten Unterschiede zwischen RLS-betroffenen und nicht-betroffenen schwangeren Probanden nachgewiesen werden(Tunc et al. 2007).
Ziele der Studie
In dem beantragten Forschungsprojekt „Restless Legs Syndrom in der Schwangerschaft“ sollen bereits identifizierte Genvariante, die mit einem erhöhten Risiko für ein RLS einhergehen auch bei einer Population schwangerer Frauen untersucht werden, um eine mögliche genetische Prädisposition für die Ausprägung eines symptomatischen RLS zu bestätigen. Darüber hinaus sollen schwangerschaftsspezifische metabolische Veränderungen bei RLS-betroffenen und nicht-betroffenen schwangeren Frauen untersucht werden. Hierdurch sollen die spezifischen metabolischen Einflussfaktoren identifiziert werden, die bei der Ausprägung eines RLS in der Schwangerschaft eine Rolle spielen. Dabei bietet das RLS eine ideale Vorraussetzung die Interaktion zwischen genetischen und nicht-genetischen Faktoren zu untersuchen.
Es ist vorgesehen insgesamt ~3000-5000 schwangere Frauen zu rekrutieren und im Rahmen einer Verlaufstudie die RLS positiven Probanden klinisch, laborchemisch Verfahren zu verschiedenen Zeitpunkten während und nach der Schwangerschaft zu untersuchen.
Geplante Dauer der Studie 2-3 Jahre. Beginn Januar 2008
4. Untersuchung der Exzitabilität spinaler Neurone bei Patienten mit RLS
Projektleiter: Dr. C.G. Bachmann, Facharzt für Neurologie, Abteilung Klinische
Neurophysiologie, Georg-August Universität Göttingen
Es handelt sich nicht um eine Verträglichkeitsprüfung. Beginn 10/11 2008 – Dauer 18 Monate
Kurzbeschreibung
Unkontrollierbare Flexorspasmen treten typischerweise im Rahmen der Spastizität nach Rückenmarksverletzung (SCI=spinal cord injury) (Schmit et al. 2000), bei ALS oder ED auf. Theorien zur Erklärung dieser Spasmen gehen u.a. von einer Hyperexzitabilität spinaler Kreisläufe aus. Die diesen Phänomenen zugrundeliegenden zellulären Mechanismen sind bisher noch nicht bekannt. Ein Mechanismus für die nach SCI beobachtete Hyperexzitabilität kann das Auftreten von Plateaupotentialen (PP) bei spinalen Neuronen sein (Bennett et al. 2001). Bei den meisten Wirbeltierspezies werden PPe als spannungsabhängige anhaltende Perioden mit Depolarisation und Entladungen beobachtet, die Effekte exzitatorischer Afferenzen verlängern und verstärken können (Alaburda et al. 2002). Ausserdem werden PPe mit mit dem sog. Windup in Verbindung gebracht, dabei fazilitiert eine repetitive Stimulation in Intervallen von weniger als 4-6 s progredient die neuronale Exzitabilität. Eine Studie zur Untersuchung des Windup bei Patienten mit kompletter chronischer Rückenmarksdurchtrennung zeigte mittels Triggerung der Flexorreflexe durch Reizserienapplikation mit Interstimulusintervallen £3 s auf der Fussohle einen Windup der Knöchel- und Hüftenpeakdrehmomente und der EMG-Aktivität im M. tibialis anterior (Hornby et al. 2003). Eine Zunahme neuronaler Exzitabilität war zuvor bereits bei der Verarbeitung nociceptiver Reize beobachtet worden. Polysomnographische Untersuchungen bei Patienten mit kompletter Rückenmarksdurchtrennung wiesen unwillkürliche Beinbewegungen nach, die identisch mit den im Schlaf beim Restless Legs Syndrom auftretenden periodic limb movements waren. Mehrere Studien weisen in Übereinstimmung damit beim RLS eine gestörte descendierenden inhibierenden Kontrolle als zugrundeliegenden pathophysiologischen Mechanismus hin (Paulus et al. 2007; Trenkwalder und Paulus 2004). Veränderungen der Exzitabilität spinaler Neurone können mit verschiedenen Methoden wie der Bestimmung von Schmerzschwellen, Quantitativer Sensorischer Testung (Stiasny-Kolster et al. 2004) und dem H-Reflex durchgeführt werden (zur Übersicht: Paulus et al. 2007).
Ziel dieser Studie ist die Exzitabilität spinaler Neurone beim idiopathischen RLS zu untersuchen, insbesondere bei Patienten mit einer sog. Augmentation unter dopaminerger Behandlung (Garcia-Borreguero et al. 2007; Paulus und Trenkwalder 2006). Eine weitere Fragestellung betrifft die Nachbeobachtung einer möglichen Veränderung der maximalen Drehmomente und EMG-Aktivität bei Patienten, die eine medikamentöse Therapie mit ValoronÒ(Tilidin/ Naloxon) erhalten.
Ausserdem soll untersucht werden, ob die RLS-Studienteilnehmer Träger der vier RLS-Risikovarianten in den Genen MEIS1, BTBD9, LBXCOR1 (Winkelmann et al. 2007) oder PTPRD (Schormair et al. 2008) sind. Unter Leitung von Frau PD Dr. Winkelmann wurden diese vier Varianten kürzlich durch genomweite Assoziationsstudien als bei RLS-Patienten im Vergleich zu alters- und geschlechtsgemachten Nicht-RLS-Betroffenen als signifikant gehäuft vorkommende Varianten identifiziert. Die Rolle dieser Risikovarianten bei der Entstehung des RLS ist gegenwärtig noch unklar.
4. Kältetherapie zur Linderung der Symptome bei Patienten mit Restless Legs Syndrom
Der Wunsch nach „alternativen“ Therapien zur Behandlung der RLS-Beschwerden werden von unseren Mitgliedern immer wieder ausgesprochen und dringend gewünscht, obwohl generell eine medikamentöse Therapie mit Dopaminergika etabliert ist. Aber wichtig wäre eben auch eine Behandlung des RLS mit einer Therapie, die auf Medikamente verzichten kann oder eine Medikamentenreduzierung ermöglicht. Gerade für ältere Patienten, die mit zunehmendem Alter häufig mehrfach unter diversen Krankheiten leiden und deshalb oft viele verschiedene Medikamente einnehmen müssen, wäre eine alternative Therapie wichtig. Durch langjährige Einnahme von dopaminergen Substanzen konnte ein möglicher Wirkverlust beobachtet werden, weshalb eine Kältetherapie eine deutliche körperliche und psychische Entlastung darstellen könnte. Außerdem leiden bis zu 26% der Schwangeren, insbesondere im letzten Drittel der Schwangerschaft unter einem RLS, so dass für diese eine Kältetherapie eine hochinteressante Behandlungsmöglichkeit zur Linderung der Beschwerden darstellen könnte.Ich sehe in dieser Studie einen wichtigen Beitrag eine medikamentenfreie oder -reduzierte Therapie für RLS-Patienten zu prüfen und zu erarbeiten.
Lilo Habersack – Vorstandsvorsitzende
Randomisierte, einfach verblindete, kontrollierte Parallelgruppenstudie zur Untersuchung der Wirksamkeit der Ganzkörperkältetherapie und der lokalen Kältetherapie zur Linderung der Symptome bei Patienten mit Restless Legs Syndrom
Kurzfassung des Projekts Kältekammerstudie
Projektleiterin: Prof. Dr. med.Svenja Happe
Prüfzentrum: Institut für Klinische Neurophysiologie und Institut für Physikalische und Rehabilitative Medizin,
Klinikum Bremen Ost GmbH, Lehrkrankenhaus der Georg-August Universität Göttingen
Sponsor: RLS e.V. Deutsche Restless Legs Vereinigung
Kurzfassung des Projekts Kältekammerstudie
Das Restless Legs Syndrom ist eine neurologische Erkrankung, welche bei den Betroffenen einen Bewegungsdrang unterschiedlicher Ausprägung hervorruft. In manchen Fällen sind die Symptome so gering, dass das alltägliche Leben der Patienten nur wenig beeinflusst wird. Nicht selten ist der Drang die Beine zu bewegen allerdings so stark ausgeprägt, dass die Betroffenen nicht nur ihre Erholungsphasen nicht richtig nutzen können, sondern vor allem eine verminderte Schlafqualität, die von mehrmaligem Erwachen, längeren Einschlafzeiten und verkürzten Gesamtschlafzeiten geprägt ist, aufweisen. Dadurch kann es nicht nur im sozialen Umfeld, sondern auch im beruflichen Alltag durch Müdigkeit und Konzentrationsproblemen zu erheblichen Beeinträchtigungen kommen.
Pharmakologisch kann das RLS derzeit mit L-Dopa oder einigen Dopaminagonisten als Mittel der ersten Wahl therapiert werden. Nachteile können sich hier aufgrund von Anpassungsreaktionen in Form verminderter Wirksamkeit oder auch in selteneren Fällen in Form von Einschlafattacken ergeben. Aber auch die Mittel der zweiten Wahl, wie Opioide und einige Antikonvulsiva, sind nicht frei von Nebenwirkungen.
Aufgrund mehrer Berichte von RLS-Betroffenen , mit gesichertem RLS, dass die Anwendung von Kälte positive Effekte auf ihre Beschwerden habe, die nach lokaler Applikation von Kälte auf die Beine oder dem Besuch einer Kältekammer Symptomfreiheit berichteten, gab uns Anlass, den Effekt einer Kältetherapie auf das RLS unter wissenschaftlichen Bedingungen genauer zu prüfen.
In einer klinischen Pilotstudie will das Institut für Klinische Neurophysiologie im Klinikum Bremen-Ost entschlossen, in Kooperation mit dem Institut für Physikalische und Rehabilitative Medizin eine medikationsfreie, klinische Studie zur Untersuchung der Wirkung von Kältetherapien auf das Restless Legs Syndrom durchzuführen dabei mit drei Gruppen einerseits den Effekt einer Ganzkörperkältetherapie und andererseits den Effekt einer lokalen Kältetherapie mit einer Kontrollgruppe vergleichen.
Die Effektivität der Therapien soll dabei zum Großteil durch die subjektive Einschätzung der Symptome mittels Fragebögen durch die Probanden selbst, aber auch durch Messung objektiver Werte wie der Gesamtschlafzeit und dem PLM-Index geschehen.
Im Detail soll die Studie also untersuchen, ob
a.) nach der Behandlung eine spürbare Verminderung der RLS Symptome eintritt,
b.) sich die Schlafqualität durch die Behandlung bessert,
c.) die Anzahl an PLMS abnimmt,
d.) sich die Dauer des Schlafes (TST) erhöht und
e.) wie lange die Verbesserung (falls eintretend) bestehen bleibt.
Die Mitte Mai 2011 gestartete Studie wird in den nächsten 12-15 Monaten am Klinikum Bremen-Ost durchgeführt und nimmt für einen Patienten eine Dauer von acht Wochen in Anspruch. Im Einzelnen wird dabei untersucht, welche Effekte die Therapie mit einer Kältekammer (bei unterschiedlichen Temperaturen) und eine lokale Therapie mit kalter Luft auf die Beschwerden von Patienten mit RLS haben. Die Studie gliedert sich dabei in eine zweiwöchige Voruntersuchung, eine zweiwöchige Behandlung und eine vierwöchige Nachuntersuchung. Während der Behandlungsphase ist eine tägliche Anwesenheit von ca. 30 Minuten für die Behandlungen, die gegen 18 Uhr durchgeführt werden, erforderlich. Eine Fahrtkostenerstattung kann leider nicht erfolgen.
Interessierte können sich melden bei Herrn R. Ochmann c/o Prof. Dr. S. Happe, Institut für Klinische Neurophysiologie, Klinikum Bremen-Ost, Züricher Str. 40, 28325 Bremen, Tel.: 0421-4082370, email: OchmannR@gmx.de.

