Die wichtigste symptomatische Form des RLS tritt bei Niereninsuffizienz und bei dialysepflichtigen Patienten auf


Die Lebensqualität von Patienten mit Nierenfunktionsstörungen ist aufgrund ihrer Erkrankung bereits in erheblichem Maße eingeschränkt. Hinzu kommen unspezifische Schlafstörungen, die bis zu 80 % der Dialysepatienten beklagen. Die Häufigkeit eines RLS unter Dialysepatienten wird nicht einheitlich angegeben; sie liegt vermutlich zwischen 22 und 30 %.

Die Pathogenese des urämischen RLS ist unklar. Bekannt ist, dass das RLS sich parallel zum Anstieg von Kreatinin entwickelt und nicht durch die Dialyse ausgelöst wird. Die klinische Symptomatik unterscheidet sich nicht von der des primär genetischem RLS. Es gelten dieselben Diagnosekriterien. Dialysepatienten leiden jedoch tagsüber häufiger an motorischen Symptomen des RLS. Der Verlauf des urämischen RLS ist weitgehend vom Ausmaß der Urämie und möglicherweise anderen, nicht bekannten Einflussfaktoren abhängig. Verstärkt treten die typischen RLS-Symptome während der Dialyse auf, da hier normalerweise der Patient ruhen muss, was ja gerade RLS-Beschwerden provoziert. Eine Dialysebehandlung kann daher mit unerträglichen Missempfindungen und gesteigerter Bewegungsunruhe der Beine verbunden sein. Es gibt aber gerade bei DialysepatientInnen vereinzelt Berichte, dass das RLS nach einer Nierentransplantation verschwunden sei.

Wie werden RLS-Symptome bei Dialyse behandelt?

Die Symptome des RLS können mit bestimmten Medikamenten in der Regel gut gelindert werden. Bei leichtem bis mittelgradigem RLS erfolgt die Therapie mit L-Dopa, einem Medikament, das auch von Dialysepatienten eingenommen werden kann. Falls das RLS während einer Dialyse auftritt, können die Beschwerden schnell und wirksam durch die Einnahme von 100 mg am besten in Wasser aufgelöstem, nicht retardiertem L-Dopa (Madopar LT®) für die Dauer der Dialyse gelindert werden. Insgesamt sollte jedoch eine Tagesdosis von 400 mg L-Dopa pro Tag nicht überschritten werden. Anderenfalls kann es zu einer Augmentation, heißt zur Verstärkung und zu zunehmend häufigerem Auftreten der RLS-Beschwerden am Tag kommen.

Dopaminagonisten sind Medikamente, die – wie L-Dopa – auch bei der Parkinson Erkrankung eingesetzt werden und bei mittel- bis schwergradigem RLS gut wirksam sind. Ropinirol (Adartrel®) und Pramipexol (Sifrol®) sind gut verträgliche Dopaminagonisten, deren Wirksamkeit sich in einer Dosis von 2 mg/Tag auch bei DialysepatientInnen erwiesen hat. Andere Dopaminagonisten, die beim RLS wirksam sind, sind Pergolid (Parkotil®) und Cabergolin (Cabaseril®). Da Pramipexol zu 90 %, Pergolid etwa zur Hälfte und Cabergolin etwa zu 20 % über die Niere ausgeschieden wird, ist bei DialysepatientInnen die Anwendung von Ropinirol, das über die Leber verstoffwechselt wird, günstiger. Alle Dopaminagonisten müssen ähnlich wie auch L-Dopa langsam aufdosiert werden, um Nebenwirkungen so gering wie möglich zu halten.

Opioide und Opiate wirken sehr gut bei schweren RLS-Beschwerden und sollten eingesetzt werden, wenn Kontraindikationen gegen L-Dopa oder Dopaminagonisten bestehen oder wenn die Wirkung letzterer ungenügend ist.

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